Bunt-Papier 1-2006
Das zurückliegende Jahr war für unseren Verein in mehrfacher Hinsicht ein zukunftsweisendes Jahr. Zum Einen entwickeln sich Projekte wie die Erstellung einer Weltmusik-CD und –CD-ROM zum interkulturellen Engagement in Rostock sehr gut. Die Tonaufnahmen in der Hochschule für Musik und Theater verlaufen reibungslos, so dass wir zuversichtlich sind, sie im Laufe der ersten Jahreshälfte abschließen zu können. Zum Anderen haben viele Menschen und Institutionen anlässlich der Festlichkeiten zum 5-jährigen Bestehen von Bunt statt braun e.V. ihre Wertschätzung der Vereinsarbeit geäußert und mit ihrer Unterstützung dazu beigetragen, dass der Verein neue Projektmittel einwerben konnte und damit zumindest mittelfristig arbeitsfähig bleibt.
Planung für 2006
Für dieses Jahr ist als Bildungsvorhaben die Durchführung einer Reihe von interkulturellen und politischen Workshops mit Jugendlichen geplant - neben der Fertigstellung der Weltmusik-CD´s, Ausleihe der Wanderausstellung und der Durchführung von Lehrerfortbildungen zu „Mitten unter uns“. Die Ergebnisse des Workshops sollen in die diesjährige „Nacht der Kulturen“ einfließen.
„Nacht der Kulturen 2006“ am 14. Oktober im Rathaus HRO
Sofern es uns gelingt, die notwendige Finanzierungsbasis zu schaffen, wird die diesjährige „Nacht der Kulturen“ wieder wie im Jahr 2004 in den Räumlichkeiten des Rathauses stattfinden. Über diese Möglichkeit freuen wir uns sehr! Wir werden wieder viele Gruppen zur Mitarbeit einladen und nehmen auch gern Ideen oder konkrete Vorschläge zur Gestaltung dieses großen interkulturellen Festivals von Ihnen entgegen.
19. Januar um 19 Uhr im Uni-Hauptgebäude: „Vorurteile und Antisemitismus“
Wir laden Sie sehr herzlich zu unserer nächsten Veranstaltung am 19. Januar um 19 Uhr zum Thema „Vorurteile und Antisemitismus: Bilder vom Anderen, antisemitische Symboliken und ihre (un-)bewusste Nutzung in Deutschland heute“ in das Uni-Hauptgebäude, Hörsaal HG 218, Universitätsplatz 1, ein. Herr Dr. phil. Lars Rensmann von der Universität Potsdam wird anhand zahlreicher Beispiele aktuellen Vorurteilsbildern auf den Grund gehen. Die Idee für dieses mit dem AStA der Uni Rostock organisierte Seminar entstand im Juni vergangenen Jahres, als eine studentische Rostocker Organisation in leichtfertiger Weise eine Abbildung mit jüdischen Gesichtern für hochschulpolitische Interessen karikaturistisch verarbeitete. Zur Wahrung des in den letzten 60 Jahren gewonnenen Vertrauens in die deutsche Menschlichkeit sind sensiblere Kommunikationsformen sehr wichtig. Über rege Teilnahme würden wir uns freuen!
Weiterhin wird Bunt statt braun e.V. seine politische Lobby-Arbeit in diesem Jahr verstärken.
Fraktionenübergreifendes Engagement in M-V
Es stimmt uns hoffnungsvoll, dass die Fraktionen des Landtags M-V aktuell im Begriff sind, sich trotz z. T. divergierender Auffassungen auf ein gemeinsames politisches Vorgehen für Demokratie und gegen Rechtsextremismus zu verständigen. Überparteiliches Flagge-Zeigen ist in diesem Landtags-Wahljahr wertvoller denn je. Bunt statt braun legt besonders darauf Wert, dass aus dem Konsens vor allem Schritte zur dauerhaften Verbesserung der demokratischen Strukturen und Praxis in Alltag und Politik erwachsen.
Erfreulich ist, dass das Land M-V zumindest bis Ende 2006 die Weiterfinanzierung von Fachpersonal der Mobilen Beratungsteams, der Netzwerkstellen und Opferberatungsstellen beschlossen hat. Wenngleich Bunt statt braun nicht direkt von dieser Förderung profitiert, bleiben uns und der Bevölkerung damit wichtige Ansprechpersonen und Partner im Land erhalten.
Rechtsextremisten in Rostock aktiv
Nicht trügen lassen dürfen wir uns allerdings davon, dass im vergangenen Jahr nicht eine einzige rechtsradikale Demonstration in Rostock veranstaltet wurde. Sicher hat auch das kreative Engagement von Bunt statt braun dazu beigetragen, dass Rechtsradikale im letzten Jahr auf Aufmärsche in Rostock verzichtet haben. Zwar blieben damit den Rostockern teure Polizeieinsätze und uns aufwändige Plakatierungen erspart. (Dafür haben wir unsere Materialien wie Plakate und Fahnen nach Güstrow und Schwerin verliehen, wo mehrfach rechtsextreme Aufmärsche stattfanden.) Aber sich zu freuen, in Rostock sei Rechtsextremismus offenbar kein Thema mehr, wäre naiv. Zwar hat der Einfluss aus Hamburg auf den Rostocker NPD-Kreisverband nachgelassen, und die noch im letzten Jahr aktiven so genannten freien Kameradschaften sind als solche nicht mehr präsent. Zugleich hat die NPD großen Zulauf von ehemaligen Kameradschaftsmitgliedern erhalten. Gemäß aktueller Einschätzung des Verfassungsschutzes stellt der Großraum Rostock eine ausgewiesene Schwerpunktregion der NPD dar.
Keine Chance der NPD!
In diesem Jahr können wir insbesondere in Rostock angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen in M-V am 17. September 2006 mit erheblich mehr öffentlichen rechtsextremen Aktivitäten in Form von Demonstrationen und sogenannten Infoständen rechnen. Die NPD hat bereits eine Demonstration für den 1. Mai in Rostock angemeldet. Bunt statt braun ist der Auffassung, dass unsere Demokratie von Pluralität lebt und das aushalten kann und muss. Wir appellieren an alle BürgerInnen, besonnen zu bleiben und zugleich den Willen zum friedlichen Zusammenleben der Menschen in kultureller Vielfalt zu bekräftigen.
Bunt statt braun wird Flagge zeigen – wie im Einzelnen ist noch nicht geklärt. Sicher ist, dass wir Spenden und Sponsoring für die Erstellung neuer Plakate, Pappen und Banner benötigen werden. Für das Bekleben und Aufhängen der Plakate werden wir zu gegebener Zeit um Ihre Mithilfe bitten. Wir freuen uns aber auch, wenn Sie Ihre Ideen und Anregungen für öffentlichkeitswirksames Flagge-Zeigen an uns herantragen.
Farbe bekennen – z.B. per Teilnahme an der Plakataktion
Aktuell starten wir einen erneuten Aufruf zur Teilnahme an der Plakataktion „Wir zeigen den Rechtsradikalen die kalte Schulter“, mit der wir zu Zivilcourage ermuntern und zugleich viele gesellschaftliche Kräfte zu einer Positionierung im Sinne unserer Vereinsziele bewegen wollen. Die entstehende mobile Fotoausstellung soll öffentlich – insbesondere anlässlich rechtsextremer Aktivitäten – präsentiert werden. (Infos unter www.buntstattbraun.de ->Aktuelle Projekte.) Nehmen auch Sie mit einer Gruppe von Menschen (MitarbeiterInnen, SchülerInnen, Team, Mitglieder ...) daran teil!
Bröckelnde NPD-Fraktion in Sächsischem Landtag
Der in Sachsen offenbar einsetzende Prozess des Selbstzerfalls der NPD-Landtagsfraktion hat Umfragen zufolge zu einem Einbruch der dortigen Wählergunst geführt. Der Austritt von drei NPD-Abgeordneten binnen einer Woche hatte der NPD-Fraktion im Sächsischen Landtag kurz vor Weihnachten einen erheblichen Schaden beschert. Neben beträchtlichen finanziellen Einbußen muss die Landtagsfraktion je Ausschuss die Abgabe eines Sitzes hinnehmen. Ihren Rückzug begründeten die drei Abgeordneten unter anderem damit, dass sich die NPD-Fraktion nicht um soziale Themen kümmere, sondern sich gezielt für ein «viertes Reich» stark mache. Umfragen zufolge würden aktuell nur noch 4% der Sachsen die NPD wählen.
Die Demaskierung der NPD erhöht die Chance, dass der NPD am 17. September 2006 der Einzug in das Landesparlament von M-V versagt bleibt. Wir werden unser Mögliches zur Aufklärung über die demokratiefeindliche Ausrichtung der NPD beitragen.
Schon den Wahl-O-Mat probiert?
Eine hervorragende Entscheidungshilfe in Vorbereitung auf die Wahlen ist der „Wahl-O-Mat“. Auf der von der Bundeszentrale für politische Bildung entwickelten Homepage unter www.wahl-o-mat.de können Sie rasch die Dekkung Ihrer persönlichen Standpunkte mit den jeweiligen Parteiprogrammen von Bündnis 90/Die Grünen, CDU/CSU, Die Linke . PDS, FDP und SPD ermitteln. Sehr empfehlenswert, auch für Jugendliche. Weitere Infos gibt gern der Rostocker Stadtjugendring unter Tel.: 0381 / 809 94 96, der in Zusammenhang mit der Landtagswahl spezielle Angebote für und mit Kindern und Jugendlichen plant, z.B. die Teilnahme an der U18-Wahl. Junge Menschen unter 18 organisieren hierzu selbst Wahllokale, bereiten sich mit Foren und Auseinandersetzung mit Wahlprogrammen auf die Wahlen vor und gehen selbst zur Wahlurne. Die Ergebnisse werden ausgewertet und veröffentlicht.
Beteiligung an Fachtagungen
Im letzten Quartal hat sich Bunt statt braun an fünf Fachtagungen und Workshops beteiligt, darunter drei Konferenzen, zu denen jeweils die Grünen/EFA im Europäischen Parlament, die CDU-Landtagsfraktion bzw. die Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin eingeladen hatten. Wir wertschätzen dieses Engagement und unterstützen es im Sinne unserer Überparteilichkeit nach besten Kräften. Außerdem bieten Tagungen willkommene Gelegenheiten, Erfahrungen der Bürgerinitiative vorzustellen und Bunt statt braun e. V. überregional bekannter zu machen.
Zwei der Konferenzen untersuchten die internationale Dimension von Rechtsextremismus, weitere prüften Handlungsempfehlungen und Bedarfslage auf regionaler Ebene. Die Workshops betrafen Rassismus im Alltag (geleitet von Bunt statt braun) und das Konzept des „Anti-Diskriminierungs-Mainstreaming“. Wer genaueres zu den jeweiligen Ergebnissen erfahren möchte, bekommt gern ausführlichere Auskunft aus der Geschäftsstelle.
Angebote anderer Träger
Wir wünschen Ihnen viel Erfolg für das Jahr 2006 und freuen uns auf die weitere gute Zusammenarbeit.
