Bunt-Papier 2001

Vereinsaktivitäten 2001

Rote Karte für die NPD - Rund 1000 Menschen nahmen an Demon­stra­tion teil
Mit einer bunten Demons­tration bekannte Rostock am 28. Juli  einmal mehr Flagge gegen Rechtsextremismus. Rund 1000 Rostockerinnen und Rostocker waren dem Aufruf der Bürgerinitiative Bunt statt braun gefolgt und bekannten Farbe. Angeführt wurde der Zug von energie­geladenen afrikanischen Trom­mlern aus mehreren Rostocker Gruppen. Ausge­lassen und friedlich gingen die Teilnehmer vom Goethe­platz, über den Schröderplatz, durch die Lange Straße zum Neuen Markt. Dort fand ab 12:00 Uhr eine 40-minütige Kundgebung statt. Es sprachen Jan Baginski (BSB), Sigrid Rehmus-Kinnigkeit (DGB Rostock), Arno Pöker (als OB), Anne Koburger (PDS MdL), Dr. Christine Lucyga (SPD MdB), Christian Oschwald (Antifa­schis­tisches Jugendbündnis), Nils Albrecht (CDU MdL) und Maxi Malzahn (für Bü90/Die Grünen). Alle Redner unterstrichen die Notwen­­digkeit, die NPD zu ver­bieten.
Hintergrund der Demons­tration war, dass die NPD für den 28. Juli 11:00 Uhr in Rostock zu einer Demon­stration unter dem Motto »Gegen Berufsverbot und Intoleranz« aufgerufen hatte. Anlass war die Kündigung eines Redakteurs bei der NNN. Lutz Dessau - so wurde erst jetzt bekannt - ist seit vielen Jahren NPD-Kreisvorsitzender von Rostock. Die Bürger­initiative Bunt statt braun begrüßte die Kündigung des BURDA-Verlages ausdrücklich. »Neonazis gehören sowenig in die Zeitung wie Brandstifter in die Feuer­wehr«, begründete Jan Baginski diese Haltung.
Ihre Abschlusskundgebung hatte die NPD auf dem Platz der Freiheit angemeldet. Dieses Areal hieß früher Adolf-Hitler-Platz. Die Stadt untersagte den Aufmarsch an dieser Stelle jedoch. Die NPD durfte lediglich auf dem Südring entlang laufen. Dort hatten viele Helfer aus verschiedensten Organi­sa­tio­nen in der Nacht zuvor förmlich ein Plakatspalier an die Later­nenmasten gehängt. Bunt statt braun hatte dafür in aller Eile 500 Plakate mit der Aufschrift »Rote Karte für die NPD« drucken lassen. Auch 5.000 Postkarten an das Bundes­verfassungsgericht wurden mit diesem Motto hergestellt.
Den Aufruf der Bürger­ini­tia­tive unterstützten alle Parteien der Rostocker Bürger­schaft (CDU, SPD, PDS und die WählerInnen­gruppe Bündnis 90) sowie der Landesverband MV von Bündnis 90/Die Grünen, der Ausländer­beirat Rostock, der DGB Rostock, die DGB-Jugend und die Verdi-Jugend, der Rostocker Stadtjugend­ring, das Ros­tocker Zentrum für Demo­kratie und Toleranz,  der Verein Talide, der Verein Arbeit und Leben, der Verein Dien Hong, Die Andere Buchhandlung, der Landes­super­inten­dent der ev.-luth. Landes­kirche Matthias Kleiminger, der Auslän­der­beauf­tragte der Hansestadt Rostock, Dr. Wolfgang Richter, und das Max-Samuel-Haus. Die Stadt­verwal­tung hatte in einer eigenen Erklärung nicht nur die Bürger aufgerufen, zur BSB-Demo zu gehen, sondern auch auf dem Rathaus selbst die Bunt statt braun-Fahne gehisst.

Aktion Noteingang erfolgreich angelaufen

Am 16. Juli startete Bunt statt braun die Aktion SOS Eingang. Der Rektor der Universität Rostock Prof. Günther Wildenhain platzierte mit den Bsb-Vorstands­mitgliedern Maxi Malzahn und Michael Hugo den SOS-Aufkleber am Akademischen Auslandsamt der Universität. Mit diesem Aufkleber an Geschäfts- und Laden­türen signalisieren die Teilnehmer der Aktion, Menschen in Notsituationen direkte Hilfe anzubieten. Heute können wir sagen, dass die Aktion schon große Resonanz gefunden hat. In der nordostdeutschen Region um Rostock haben sich bislang 120 Unternehmen und Einrichtungen zu dieser Initiative bekannt. So tragen in Rostock die Häuser, die der Stadtverwaltung und WIRO gehören, aber auch alle Kinos, Straßenbahnen und Busse, die Kirchen, das Kaufhaus C&A und Einzelhändler sowie Cafes den SOS-Aufkleber. Aber Zivilcourage endet nicht an den Landes-oder Kreisgrenzen! Auch aus Lübeck, Hamburg, Dresden, Riesa, Frankfurt/Main, München und Stuttgart haben sich Unternehmen und Einrichtungen unserer Aktion angeschlossen und machen unser Anliegen zu ihrem eigenen. Und: Wir möchten noch mehr Menschen und Institutionen für unser Anliegen gewinnen, Konflikte zivil und gewaltfrei unter dem Zeichen des bunten Schmetterlings auszu­tragen.
Deshalb findet am  11. September, um 18 Uhr im Waldemar Hof ein weiteres Treffen statt, um in Rostock auch in den peripheren Stadtgebieten SOS Eingang bekannter zu machen und UnterstützerInnen zu werben.