Neues Asylbewerberheim in Güstrow geplant - Von Anschlägen, Aufrufen und Anständigen

Am 23. März will sich die NPD an die Spitze der Proteste gegen ein geplantes Asylbewerberheim in Güstrow-Dettmannsdorf setzen und die Ängste und Vorbehalte der anonym auftretenden "BewohnerInnen" des Stadtteils als Zeichen für eine völkische Graswurzelrevolution in Zustimmung ummünzen.

Die Stadt Güstrow, seit 2011 dem Landkreis Rostock zugehörig, soll, entsprechend einer Festlegung der Landesregierung MV, 260 Asylbewerber aufnehmen.
So wie andere Landkreise in Mecklenburg-Vorpommern auch. Güstrow hatte bis 2008 zwei Asylbewerberheime, die dann aufgrund der sinkenden Bewerberzahlen geschlossen wurden.

Nun regt sich deutlicher Widerstand gegen die Wiedereinrichtung einer Unterkunft für Asylbewerber. Es tauchen Flugblätter, Unterschriftenlisten und Petionen in Güstrow und im Internet auf. Die Stimmung in Dettmannsdorf-Güstrow eskaliert.

Auf einem anonymen Flugblatt werden "Fakten" gegen eine Unterkunft in einem leerstehenden Plattenbau der Deutschen Bahn am Rande Güstrows aufgeführt, Ängste vor den "Fremden" geschürt, teils mit in wohlfeile Worte gehüllten Rassismus, wenn von einem "Schutz der Bevölkerung" gesprochen wird, von "Raubzügen", von den Gewohnheiten der Asylbewerber, "erst in den Nachtstunden aktiv zu werden". Bereits am 2. Oktober 2012 haben Unbekannte Buttersäure vor dem damals als Unterkunft in Betracht gezogenen Gebäude vergossen. Die Ermittlungen hierzu sind immer noch nicht abgeschlossen, ein Zusammenhang mit dem Flugblatt kann nicht ausgeschlossen werden.

Weder kennen die Dettmannsdorfer noch die Urheber des Flugblattes die zukünftigen Asylbewerber, geschweige denn deren Gewohnheiten, noch haben die Asylbewerber die Möglichkeiten, sich freiwillig für oder gegen die eigene Unterbringung zu entscheiden.

Und in erster Linie haben diese Menschen aufgrund von Verfolgung, Bedrohung und körperlicher und seelischer Gefährdung einen Antrag auf Asyl beantragt, nicht weil sie Bedürfnisse nach einem Vorgarten, Dettmannsdorfer Eigentumsverhältnissen oder einem Wohnumfeld mit Vorurteilen haben.

Daher ist es eine gemeinsame Aufgaben der Verwaltung und der Bevölkerung in Güstrow sich mit den AsylbewerberInnen persönlich und inhaltlich auseinanderzusetzen, im Sinne einer konstruktiven Lösung für alle Menschen in der Barlachstadt.

Denn eine Stadt, in der eine Selektion und Ausgrenzung von Menschen stattfindet, ist weder lebens- noch liebenswert. Weder für Gäste, noch für zwangsweise untergebrachte Asylbewerber. (red. ts, 16.3.13)

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