Berlin-Hellersdorf: Von einer Plattform für Gesellschaftsengagement zu einer Plattenbausiedlung mit Flüchtlingshetze

Mit der Kurzbeschreibung "Change.org ist die größte Petitionsplattform der Welt. Wir geben Menschen weltweit die Möglichkeit, sich für die Welt einzusetzen, in der sie leben möchten." wirbt eine der größten Online-Petitionsplattformen für die Möglichkeiten einer engagierte und vielfältigen Zivilgesellschaft. Doch unberührt von der eigenen Philosophie nutzen auch Personen und sogenannte "Bürgerinitiativen" die Plattform für die Ausgrenzung und Aberkennung von gesetzlich verankerten Rechten.
Eine Gruppe von vermeintlichen Bewohner Hellersdorfs, einem junge Stadtteil im Osten Berlins, haben eine Online-Petition "Nein zum Heim!" auf dem Portal eingerichtet und wollen den Umbaustopp und die Schließung der geplanten Unterkunft erzwingen. Hierbei spielen führende Neonazis aus Berlin und Brandenburg ein wesentliche Rolle.
Als Argumente werden dabei der "Schutz der Wohnung, der eigenen Kinder und die eigene Sicherheit" genannt.
Wer, wie wir, Hellersdorf kennt, weiß, das diese "Argumente" auch dort einem offen artikulierten Rassismus entspringen. Da wird von "denen" gesprochen, die "hier" nicht hingehören, und eine kulturelle Tradition herbeigeredet, die es nie gab.
Hellersdorf ist in den frühen 80'ern aus dem Acker gestampft worden. Und Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern haben diesen Stadtteil aufgebaut.
Und nun kommen Menschen, deren Leben davon abhängig ist, sich in sichere Drittstaaten zu retten, vor Terror, Verfolgung und in Lebensgefahr und der gemeine Bürger fürchtet schon den sozialen Abstieg und den Verlust aller materiellen Werte. Dabei werden Ressentiments, stereotype und rassistische Klischees nur so durch die Gegend geworfen. Und kaum jemand aus dem Stadtteil positioniert sich öffentlich dagegen. Rostock-Lichtenhagen scheint in diesen Tage ganz nahe zu sein. Wieder.
In einem öffentlichen Aufruf beteiligen sich inzwischen deutschlandweit Mensch an einem sogenannten "Shitstorm" und fordern öffentlich und medial begleitet, die Löschung der Petition auf Change.org, das die Petion selber gegen die selbstformulierten Grundsätze der Onlineplattform verstößt.
Und inzwischen hat sich auch Bundspräsident Joachim Gauck zu Wort gemeldet und mehr Menschlichkeit und Solidarität untereinander und mit den Flüchtlingen eingefordert.
Warum brauchen wir (immer noch) Menschen, die uns ermahnen und wachrütteln müssen, damit eigentlich selbstverständliches endlich (wie von) selbst- (und) verständlich wird?

ts