Redebeitrag Prof. Dr. Hartmut Möller, Rektor der HMT Rostock

Rostock gegen Rassismus und Gewalt. 10 Mai Doberaner Platz

Als Rektor der Hochschule für Musik und Theater (HMT) und ehemaliger Musiker und Musikhistoriker möchte ich zwei Gedanken zum Thema beisteuern:

Erster Gedanke:
Die HMT hat im Bereich der Musikausbildung einen Ausländeranteil von 30 Prozent, aus 37 Nationen rund um den Erdball. Musik ist tatsächlich eine Sprache, die Sprachbarrieren überwinden hilft: Das Miteinander der verschiedenen Kulturen in der Hochschule, bei der gemeinsamen Arbeit, auf dem Klosterhof und in der Freizeit ist kreativ und weiterbringend. Und alle diese ausländischen Studierenden werden nach dem Abschluss ihres Studiums in ihren Heimatländern von einer weltoffenen und toleranten Studienstadt Rostock berichten. Eine Reihe von ihnen wirken übrigens nächste Woche bei der „Nacht der Kulturen“ in unserer Hochschule mit.
Die HMT steht für Weltoffenheit und Toleranz der Kulturen -- auch für Toleranz der verschiedenen Musikkulturen.

Zweiter Gedanke:
Alle großen Neuerungen in der Musikgeschichte, von den Anfängen der europäischen Musik in der Karolingerzeit über – zum Beispiel - Heinrich Schütz bis zu den Beatles – alle großen Neuerungen in der Musikgeschichte sind dadurch angeregt worden, dass unterschiedliche Kulturen und Lebensweisen aufeinandergetroffen sind und sich offen ausgetauscht haben. Und dass sich aus diesen Begegnungen des Fremden Anderes Neues entwickelt hat. Weltoffenheit und Toleranz für das Andere sind lebenswichtig für die Zukunft unserer Musikkultur genauso unserer Gesellschaft.
 

In dieser Woche gedenken wir des 70. Jahrestages der Bücherverbrennung im Jahr 1933. Ich möchte daran erinnern, dass im Jahr 1933 auch der nationalsozialistische Feldzug gegen sogenannte „Entartete Kunst“ und „Entartete Musik“ begann - Alle Musiker jüdischer Abstammung wurden aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossen (denken Sie an den Fall der Comedian Harmonists). Die Folgen sind bekannt: aufgezwungenes Exil, zerstörte Existenzen, geknickte Biographien, Verfolgung und Widerstand. Die Musik von Mendelssohn, von Arnold Schönberg genauso wie der Jazz und vieles andere kam auf den Index. Doch konnten die Herrschenden damals nicht verhindern, dass sich zahllose Jazz-Begeisterte in ganz Europa mit Hilfe des Swing eine sozusagen beschwingte Gegenwelt zur uniformierten NS-Gesellschaft schufen. Auch hier in Rostock gab es in den 30er Jahren diese Swing-Jugend, die bei der Hitlerjugend nicht mitmachte. Bekannte Mitglieder sind die Brüder Kempowski.
Damals kam es auf das Nicht-Mitmachen, auf die geistige Auseinandersetzung an. Und genau darum geht es auch heute: wie das zum Beispiel Konstantin Wecker zum Ausdruck gebracht hat: „Sag nein!“
(Wecker S. 13 Sag nein!)

Als REKTOR der HMT bin ich dafür, an die Geschichte in all ihrer Mehrschichtigkeit und Widersprüchlichkeit zu erinnern. Ich bin gegen einseitige Geschichtsdarstellungen, wie sie auf rechtsextremistischen Internetseiten in erschreckender Weise nachzulesen sind . Deshalb halte ich es auch für notwendig, dass für verfassungswidrig erklärt werden soll, was nationalsozialistisches Gedankengut unterstützt. Das wäre ein deutliches Signal gegen die Verbreitung von nationalistischem, ausländerfeindlichem und intolerantem Gedankengutes.

Für eine friedliche, weltoffene und demokratische Gesellschaft – gegen Rassismus und Gewalt.