Was will der Verein? inhaltliche Ziele

Satzungsgemäßer Zweck des Vereins ist es, »gegen jede Form von Rechtsradikalismus einzutreten, die kulturelle, politische und zwischenmenschliche Toleranz von Menschen aller Nationen und Weltanschauungen, die Völkerverständigung und die Demokratie zu fördern sowie die Ausübung von Gewalt zu bekämpfen und zu verhindern«. Anlaß der Gründung war die Gewaltwelle im Sommer 2000. Bei genauerer Betrachtung muß man jedoch erkennen, daß es sich hier nur um die Spitze des Eisberges handelt. Die Probleme rechtsradikaler Ideen und Gewalttaten sind weder plötzlich entstanden, noch vollständig bekannt. Da man nicht als Rassist geboren wird, müssen wir uns fragen, was wir falsch gemacht haben und was zu ändern ist. Vor allem dürfen wir nicht länger schweigen, nicht mehr wegsehen, nicht mehr gleichgültig sein. Denn sonst fühlen sich viele Rechtsradikale auch weiterhin in ihrem Tun bestärkt. Erst das Schweigen der Mehrheit macht sie stark und hemmungslos. Unsere Duldung kommt einem stillen Einverständnis und letztlich einer Ermunterung gleich. Ziel des Vereins ist es zunächst also, Flagge zu zeigen, Farbe zu bekennen und zu demonstrieren, dass die Mehrheit eine bunte und keine braune Republik, dass sie Vielfalt statt Einfalt will. Es gilt Verantwortungsbewußtsein zu schaffen, die Diskussion auch nach der Sommerpause wachzuhalten und immer wieder die Auseinandersetzung mit dem Thema zu führen. Es geht darum, Angst und Gleichgültigkeit zu überwinden und deutliche Zeichen gegen Rechtsextremismus zu setzen. Dazu wollen wir nicht nur viele Bürger, sondern auch Künstler, Unternehmen und Medien bewegen. Wir wollen jedoch nicht nur Zivilcourage fordern, sondern auch fördern. Die Gesellschaft muß sich mit den Opfern solidarisieren, sie muß sich vor allem aber schützend vor die Minderheiten stellen, bevor sie zu Opfern rechtsextremer Gewalt geworden sind. Gerade die politischen Eliten müssen sich konsequent und glaubwürdig zum pluralistischen, toleranten und integrativen Zusammenleben aller Kulturen, Lebensgemeinschaften, Religionen und Weltanschauungen bekennen. In diesem Sinne will der Verein über Totalitarismus, Gewaltverherrlichung, Radikalismus, Extremismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und jede andere Form von Diskriminierung – und deren Ursachen aufklären. Er will sich für eine offensive politische Bildung, für die Vermittlung von demokratischen Grundwerten und für Maßnahmen zur Gewalt-Prävention engagieren. Neben klassischen Bildungsprojekten sind hier Wettbewerbe zum Beispiel unter Jugendlichen, aber auch unter Künstlern und Werbeprofis denkbar. Auch könnte die Bürgerinitiative herausragende Leistungen für Toleranz und Zivilcourage durch Preise unterstützen und popularisieren. Und weil die Probleme nicht gelöst sind, wenn die Täter im Knast sitzen und ihre Opfer im Krankenhaus oder auf dem Friedhof liegen, will die Bürgerinitiative vor allem die Opfer der Gewalt unterstützen und durchaus auch Projekte für Aussteiger aus radikalen Gruppen und zur Resozialisierung von Straftätern. Rassistisches und faschistisches Gedankengut soll bei Heranwachsenden keine Chance mehr haben. Wir wollen uns deshalb für eine kontinuierliche Jugendarbeit und für altersgerechte Alternativen zur braunen Subkultur engagieren. Wir wollen die Begegnungen mit anderen Kulturen fördern, zum Beispiel durch multikulturelle Veranstaltungen oder durch Auslandsaufenthalte. Die Bürgerinitiative hat sich vorgenommen, Angebote zur Freizeitgestaltung zu fördern sowie Treffpunkte und Räume für nichtrechtsradikale Jugendliche. Die akzeptierende Jugendarbeit mit rechtsradikalen Gruppen wollen wir kritisch begleiten. Schließlich will der Verein sich der Ursachenforschung und der Dokumentation rechtsextremer Gewalt und Ideologie widmen. Und wir wollen die Öffentlichkeit über regionale Strukturen und Akteure neonazistischer Organisationen informieren.